STARTSEITE                                 2004                                  KURZ-FASSUNG

 

10. Kapitel

DIE GESCHICHTE DER MATERIE

9. Zyklus  

Entwicklung des ersten Menschen vor 8 Millionen Jahren

Afrika die Geburtsstätte des Menschen?

Bildquelle: Nachrichtenmagazin "DER SPIEGEL" Ausgabe: Nr 50 /11.12 2000 Thema: Aufrecht am See

Üd.: 06.2003 Nach prähistorischen Untersuchungen lassen sich, in den afrikanischen Tropenwäldern, die Anfänge des Menschen bis zu acht Millionen Jahre zurückverfolgen. In dieser Zeit trennte sich die Entwicklungslinie der Hominiden (Menschartigen) von den Pongiden (Menschenaffen. Da sich die geologischen Ausgrabungen und Expeditionen fast ausschließlich auf den afrikanischen Kontinent konzentrierten, entstand die, noch bis heute von vielen Wissenschaftlern vertretene, "Out-of-Afrika-These".                                        Vor acht Millionen Jahre entstand ein gigantischer Bruch, genannten Kontinentaldrift. Asien wurde dabei mit aller Macht gegen die Ostseite des afrikanischen Kontinents gedrückt. Durch diese Bruchkante entstand westlich dieser Narbe ein gewaltiges Gebirge, eine Barriere die für alle Erdenbewohner unüberwindlich war. Durch das schwinden der Wälder in dieser Region entstand ein neuer Lebensraum. Diese Theorie könnte durch die Geschichte  den ersten Hominiden "Orronin" (Menschenaffen) gestützt werden. Dieser Vorfahre des Menschen lebte etwa 1 Millionen Jahre nach der Entstehung des großen Grabenbruchs auf Bäumen und ernährte sich von Früchten und Blättern. Der etwa 1,30 große und 30 bis 40 Kilogramm schwere Primate ähnelte sehr den frühen Schimpansen. Die Zukunft, der vor 6 Millionen Jahre lebenden Orronins Familie liegt, nach dem austrocknen der Regenwälder, in der flachen Savanne. Dort gibt es genug Nahrung, aber auch mehr Gefahren. Durch das fehlen der Bäume und der weitsichtigen Savana wird der Orronin zu einem neuen Verhalte gezwungen. Er muss sich immer häufiger auf die Hinterbeine stellen. Nur so konnte er Gefahren und Nahrung überhaupt ausmachen. Ein weiteren Sensationsfund ereignete sich im Juni 2001 in Zentralafrika (Tschad) durch den Franzosen Michael Brunert. Der Paläontologe entdeckte. Fossilien eines Schädels mit flachem Gesicht, markante Wülste über den Augenhöhlen und kleine Eckzähne  - halb Affe, halb Mensch - sie deuten auf einen Übergang vom Affen zum Menschen hin. Der Urahne hat den Spitznamen "Toumai" (Hoffnung auf Leben). Die Untersuchungsergebnisse aus dem Juli 2002 datieren das Alter, des mit wissenschaftlichen Namen "Sahelanthropus tchadensis" bezeichneten Vorfahren, auf sechs bis sieben Millionen Jahre. Der Fundort Tschad liegt allerdings über 2000 Kilometer westlich des afrikanischen Grabenbruchs und lässt damit den Geburtsort des Urmenschen offen.

Toumai unser erster Vorfahre ?
 

War dieser 6 bis 7 Millionen Jahre alte Schädel der Übergang  vom Affen zum Menschen ?

Diese Funde revolutionierten die Vorstellung über die Abstammung des Menschen aufs  neue. Bis zu diesen neuzeitlichen Sensationsausgrabungen datierten sich die ersten geologische Funde aufrecht gehender Südaffen auf circa 4,5  Millionen Jahre. Der Australopithecus anamensis ("Südaffe vom See") war bis dahin die älteste bekannte Art der Gattung der Australopithecus. Die auf zwei Beinen gehenden aber anatomisch noch sehr affenähnliche Australopithecinen wurde in Äthiopien  (Afrika) entdeckt. Weitere Vertreter dieser aufrechtgehenden Affenart ist der "Australithecus "afarensis" der etwa vor 3,7 bis 2,9 Millionen Jahre in Tansania und Äthiopien lebte. Sein Schädelvolumen betrug 400 bis 500cm3.

Älteste Schädelfund des "Homo sapiens idaltu"

 

 

 

 

 

 

 

Bildquelle: Planet des Lebens, Ruth Omphalius ©1996

Geologische Funde einer Frau dieser Hominiden-Gattung wurden 1973 in Äthiopien entdeckt, ihr wissenschaftlicher Name heißt "Australopi Afarenesis". Der amerikanische Entdecker "Donald Johanson" aus Berkeley taufte den Vornamen der vor etwa 3,18 Millionen Jahre lebenden und 107cm großen berühmten Dame mit “Lucy”.Das zu 40% erhaltene Skelett lies keinen Zweifel an ihre naufrechten Gang. Die Homonidin traf bei ihrer Nahrungssuche immer häufiger auf andere Artgenossen aus dem Stammbaum der Anamensis. Im Gegensatz zu den Pflanzenfressenden Afarensis zählten die Anamensis auch zu den gelegentlichen Aasfressern. Man vermutet, dass sich Lucy, aufgrund ihrer Lebensumstände, den robusteren und größeren Anamensis angeschlossen hat. So kam es wohl zu einer Vermischung zwischen den beiden Arten dieser Vormenschen.
Aus dieser Zeit stammt auch der
"Australopitecus africanus", er lebte
vor circa 2,5 Millionen Jahren. Im April 1947 entdeckten Paläontologen in Südafrika (Sterkfonrein) einen Oberschenkel der mit dem Namen:"Mrs. Ples" getauft wurde.

Es dauerte etwa zwei Millionen Jahre bis sich durch Klimaveränderungen und neuen Lebensanpassungen einzelne Hominiden -Formen herausbildeten, die ein deutlich größeres Gehirn und eine differenziertere Hand aufwiesen. Der "Australopithecus robustus" der sich aus dem Stamm der Anamensis abzweigt ist ein weiteres Mitglied unserer Ahnenreihe. A. robustus lebte vor etwa 2.0 Millionen Jahre und hatte einen ähnlichen Körper wie africanus, aber einen größeren und robusteren Schädel und Zähne. Die durchschnittliche Gehirngröße liegt bei ca. 530 cm³.
"Homo habilis" (der geschickte Mensch) nannten die Wissenschaftler diesen in Ostafrika ausgegraben Homioniden der vor 2 bis 2,5 Millionen Jahre lebte. Sein Gehirnvolumen betrug 650 cm3, durch sein handwerkliches Geschick und seiner geistigen Auffassungsgabe lernte er Werkzeuge und Waffen aus Steine anzufertigen. Der entscheidende Unterschied zwischen der Hand des Homo habilis und seinen Vorfahren ist die Länge des Daumens. Der aufrecht gehende Mensch kann mit seinem längeren Daumen eine Verbindung zum Endglied des Zeigefingers herstellen und somit den sogenannten "Pinzettengriff" formen. Dies ist eine weitere funktionelle Voraussetzung für die Herzustellung und die Handhabung von Werkzeugen und Waffen.
  Die Erfindung von Steinwerkzeugen ermöglichte es Tiere zu jagen und als Beute zu zerlegen. Aus dem Vegetarier wurde ein Fleischfresser. Durch den verzerr tierischer Proteine speicherten der Hominide mehr Energie und vergrößerte durch die Vermehrung der Eiweißbausteine sein Gehirnvolumen.
Aus dieser Entwicklungslinie ging dann, vor etwa zwei Millionen Jahre, der
"Homo erectus" und "Homo ergaster" (aufgerichtete Mensch) hervor. Er erhielt diesen Namen, weil zur Zeit seiner Entdeckung nicht bekannt war, dass bereits der Australopithecinen aufrecht gegangen war. Der Homo erectus unterschied sich in seinem Körperbau und seinem Gehirnvolumen mit 1000cm3  nur geringfügig vom Homo sapiens (Das GV des heutigen Menschen beträgt ca. 1400cm3). Der älteste Fund ist 1,8 Millionen Jahre alt und stammt aus Afrika, aber auch in Java und im Kaukasus fand man Fossilien vom Homo Erectus. Er lebte wohl in dieser Zeit mit fünf bis sechs Hominiden-Arten gleichzeitig; obwohl nicht eindeutig geklärt ist, dass sich unterschiedliche Hominidenarten begegneten. Da Nahrung und fruchtbarer Lebensraum immer knapper wurden, galt es neues Land zu erobern.
Der Homo ergaster ist wohl der bedeutendste Entdecker und wahrscheinlich ein Mitglied unserer Ahnenreihe. Die Homo erectus/egasters waren die ersten Urmenschen die das Feuer
vor circa 500.000 Jahren bezähmten und auf Großwildjagd gingen.
Die Wiege des Homo sapiens war und ist in der Paläoanthropologie so umstritten wie die Lehre vom Ursprung des Menschen.
In Äthiopien habe Forscher die bislang ältesten Überreste des
„modernen Menschen“ ausgegraben. Mit einem Alter von 160.000 Jahre wurden die Schädel von zwei Erwachsenen und einem Kind bereits 1997 nahe dem Dorf Herto in der Awash-Region ausgegraben. Der Entdecker Tim White von der University of California stellte sie 2003 im britischen Fachblatt „Nature“ vor. Um den afrikanischen Ahnen vom heute lebenden „Homo sapiens sapiens“ zu unterscheiden richteten die Forscher eine neue Subspezies ein: den „Homo sapiens idaltu“. Das Wort „idaltu“ heißt übersetzt, „der Ältere“. Dieser neuste Fund und weiter genetische Untersuchungen unterstützen zur Zeit die Annahme vom afrikanischen Ursprung des Homo sapiens

Der Homo Sapiens durchwanderte die gesamte Welt,
wobei er Frankreich und China zuerst besiedelte.

Die bis dahin ältesten Vertreter des Homo sapiens (der wissende Mensch) fand eine französisch-englische Expedition in Israel in den Höhlen von "Carmel" und in der Nähe von Nazareth. Ihr Alter wurde auf etwa 100.00 Jahre datiert, sein Gehirnvolumen betrug circa 1400 cm3.
Vor etwa 50 000 Jahren, so die Annahme vieler Paläontologen, breiten sich der moderne Mensch mit etwa 2000 Wagemutige, fast über die gesamte Welt aus. Über das Rote Meer setzten sie zunächst in Richtung Ostan über. Dann drangen sie nach Indien und Australien vor. Bei dieser zweiten Auswanderungswelle gab es aber einen fundamentalen Unterschied gegenüber den ersten Versuch des "Homo erctus" den Kontinent Afrika zu verlassen. Der Homo erectus stieß  in riesige, menschenleere Räume vor, wogegen der Homo sapiens Gebiete durchwanderte, wo andere Menschen lebten. Doch das  aufeinandertreffen frühmenschlicher Bewohner in Asien, Afrika und Europa bewirkte zunächst eine Vermischung der Menschenrassen wobei nicht nur Erfindungen und Ideen ausgetaucht wurden sonder auch die Gene. Dies Annahme widerlegt wiederum die Out-of-Afrika-These, dass eine einzige Art die gesamte Welt erobert. Dies wäre auch unter biologischen Gesichtpunkten sehr ungewöhnlich.

siehe Grafik:
Vermutlich vom Schwarzmeer aus startend und über die Donau, besiedelte der "anatomisch moderne Mensch" vor 41 000 bis 39 000 Jahre Europa. So standen sich vor etwa 32 000 Jahren in Europa (Frankreich/Tautavel/Grotte:"Caune de l`Arago) zum zweiten Mal der Frühmensch "Homo sapiens neanderthalensis" und der "moderne Mensch" gegenüber.

Bei der ersten Begegnung vor etwa 80.000 Jahre, als eine extrem kalte Klimaphase anbrach, zog sich der Neandertaler  aus dem europäischen Norden zurück und lebte in den Höhlen von Kebara und Taun  in Israel (in denen reichlich Knochenmaterial entdeckt wurde). Vermutlich in der blühenden Wüste Sinais traf er  erstmals auf den modernen Menschen. Doch der Neandertaler besaß zu dieser Zeit präzisere und moderner Waffen, womit er den Homo faber zurückschlug und er die Flucht ergriff.

Der Neandertaler:
Vor etwa 250 000 Jahre hat sich der
"Homo neanderthaliensis" in Europa niedergelassen. Der erste Schädel eines Neandertalers  wurde 1856 von Steinbrucharbeiter im Neandertal bei Düsseldorf gefunden. Bis heute hat man rund 300 Skelettteile entdeck. Diese Frühmenschen waren vermutlich keine Vorfahren des modernen Menschen (Homo sapiens sapiens), sondern eine weiter Entwicklungsform aus dem "Australopitecineen". Die Neandertaler lebten  in Nordeuropa, Teilen von Israel und dem Irak. "Kinder der Eiszeit" wurden die Neandertaler aufgrund ihrer Vorspringernase genannt. Einige Forscher glaubten, sie diene dazu, die kalte Luft besser anzuwärmen. 
Dieser aufrecht gehende Mensch aus der späten Eiszeit war kein primitiverer Mensch als der Homo sapiens (auch wenn ihn viele so darstellten). Vermutlich durch die Eiweißreiche, tierische Ernährung war
das Gehirnvolumen von 1740cm2 größer als das des modernen Menschen . Sie fertigten Präzisionswerkzeuge, bauten Höhlen, nutzen das Feuer trugen Tierfelle und Schmuck. In dieser Epoche entwickelte sich beim Neandertaler die Vorstellung vom Jenseits, von der Welt der Toten. Er war der erste Mensch der seine Toten bestatte, wobei der Tote mit Beigaben für sei zukünftiges Leben im Jenseits ausgestattet wurde. 
Als in der Eiszeit die Gletscher in Europa bis in die Gegend von Hamburg reichten, siedelte der Neandertaler sich in den Süden von Europa an. 
Die Untersuchungsergebnisse von 1977, der Paläogenetikern Svante, Pääbo und Matthias Krings, wurden zunächst als den Beweis aufgeführt, dass der moderne Mensch und der Neandertaler sich nicht vermischt hätten. Schaut man sich die Ergebnisse genauer an, so der Paläontologe Robert G. Bendnarik, wiederlegen sich diese Annahmen. Die Analyse der DNS des Neandertalers aus dem Rheinland und dem modernen Menschen zeigen, dass nur 22 Positionen der DNS-Sequenzen unterschiedlich sind. Heutige Menschen zeigen untereinander einen Unterschied von 24 Positionen des untersuchten Gen-Abschnittes. Das heißt: Die genetischen Unterschiede zwischen uns lebenden Menschen können größer sein als die zwischen uns und dem Neandertaler. Doch den entgültigen Beweis für diese menschliche Entwicklung lässt sich mittels dieser biochemischen Analysen nicht eindeutig erbringen.
War der Neandertaler ein Auslaufmodell der Evolution oder hat der moderne Mensch ihn in vernichtet?

Möglicher Weise ist der Neandertaler durch Seuchen und Krankheiten ausgestorben die unsere Vorfahren mitbrachten? Oder war der Neandertaler zu spezialisiert und zu einzigartig, dass er sich nur an bestimmte (europäische) Umweltbedingungen anpassen konnte?  
Nach den heutigen Kenntnisstand spricht vieles dafür, dass der moderne Mensch, als er vor circa 50 000 Jahren in Europa einwanderte, für den Untergang des dort lebenden Neandertaler verantwortlich. Der "Homo sapiens" und der "Neandertaler" hatten große morphologische und anatomische unterschiede, sie besaßen keine gemeinsame Sprache, so dass man zu der Annahme kommt, dass es sich hierbei um zwei verschiedene Spezies handelt. Der homo sapiens war dem Neandertaler zwar körperlich unterlegen, doch besaß er, durch seine vielfältige Anpassungsfähigkeit, Kenntnisse und Erfahrungen, die ihm eine gewisse geistige Überlegenheit einbrachte und die aus ihm einen sogenannten Siegertypen machte.
So glauben viele Forscher, dass auf beiden Seiten ein enormes Wettrüsten begann, was zu einer kulturellen und geistigen Revolution führte. Zwei ebenbürtige Rivalen standen sich gegenüber die sich gegenseitig das europäische Terrain streitig machten. Mehrere Tausend Jahre muss diese kriegerische Auseinandersetzung angedauert haben, so die Annahme vieler der Wissenschaftler Erkenntnissen, bis der Untergang des Neandertalers und die Alleinherrschaft des Homo sapiens, nach dem Gesetz des Stärkeren vollzogen  war. Die Überlegenheit des modernen Menschen bestand, nach Ansicht der Wissenschaftler, durch eine geistige Überlegenheit, höhere Fruchtbarkeit und eine höhere Lebenserwartung (über 40 Jahre). Dadurch entwickelte er eine komplexere und schnellere Denkweise. Er richtete  sein Leben  und seine Strategien effizienter ein, als sein Nachbar. Durch seine sprachliche Überlegenheit
(der Neandertaler kannte nur die Laute einer Ursprache),  konnte der moderne Mensch zudem eine eindeutigere Kommunikation und Informieren durchführen. So standen, in kriegerischer oder auch friedlicher Absicht, über 10 000 Jahre lang, der
"Homo sapiens neandertalensis" und den "Homo sapiens sapiens"  in Europa gegenüber. Bis die Spuren des Neandertalers in den Höhlen von Spanien vor circa 25.000 Jahre endeten. Seine letzten Überreste fand man in einer andalusischen Höhle "Zafarraya". 

Der Schädel eines Homo sapiens neanderthalensis (links)
unterscheidet sich stark von der Anatomie eines modernen
Menschen, des Homo sapiens sapiens (rechts).

John Reader/Science Photo Library/Photo Researchers, Inc.  

   

 


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