12 Kapitel 

DIE GESCHICHTE DER MATERIE 

11 Zyklus 

Die Zukunft  

- Zeit der Einsamkeit -

Das 20. Jahrhundert brachte der Wissenschaft die Entdeckung, dass die Galaxien sich von uns weg bewegen, unser Universum expandiert seit dem Urknall vor etwa 15 Milliarden Jahren wie ein sich aufblähender Luftballon. Voraussetzung hierfür war die Konzentration dieser Energie in einem winzigen Punkt, bevor es zu Big Ben kam.
Raum und Zeit hatten somit einen Anfang den wir bis auf 10-43 Sekunden vor dem Urknall zurückverfolgen können.
Bleibt die Frage nach dem Ende:
Im Jahre 2001 bestätigten die Untersuchungsergebnisse über die kosmische Hintergrundstrahlung, dass unser Universum in die Unendlichkeit expandiert siehe Grafik:
- aus dem "Big Bang" wird ein "Big Crunch". Diese überraschende Erkenntnis wurde u.a. durch eine bis dahin nie da gewesene Messgenauigkeit von Temperaturschwankungen innerhalb der Hintergrundstrahlung bestätigt. Der Messballon "Boomerang", ein fliegendes Observatorium, registrierte in der Reststrahlung des Urknalls winzige Temperaturunterschiede, die mathematische Rückschlüsse über die stärke der Weltallkrümmung zulassen. Die errechnen sich wiederum aus den Erkenntnissen der Materienverklumpung aus der Frühzeit des Universums. Das Universum ist demnach so gut wie gar nicht gekrümmt. Ein Lichtstrahl der sich durch den leeren Raum bewegt wird auch nach Jahrmillionen kaum von seiner gradlinigen Bahn abgelenkt. Die Konsequenz dieser Erkenntnis ist, dass unser Kosmos bei weiten nicht so viel Materie enthält als bisher von vielen Wissenschaftlern angenommen. Eine zwingende  Konsequenz aus der Allgemeinen Relativitätstheorie (massentragende Körper verformen den umliegenden Raum). 
Ein weiterer Beleg, für die grenzenlose Expansion des Universums, ist die noch als mysteriös wirkende Anti- Gravitationskraft. Eine sogenannte "dunkele Energie" sorgt dafür, dass die Galaxien immer schneller auseinander treiben. Diese unsichtbare Kraft wurde durch die Standtortbestimmung der Supernova 1997ff bestätigt. Seine Entfernung von 11,3 Milliarden Lichtjahren ist weiter als das unbeschleunigte Weltall sie platziert hätte. 
So zeigt sich, auch wenn man davon ausgeht, dass die noch weitgehend unerforschte Dunkelmaterie, die etwa 80% der Gesamtmaterie ausmacht, dass unser Weltall wohl auf ewig auseinanderdriftet. Die trostlose Prognose unserer universellen Zukunft lässt den Kosmos finster, leer und einsam werden, wobei sich die Materie bis in die kleinsten Bausteine der Atome auflösen wird. Abgesehen von lokalen Materiengruppen wie die Galaxien werden sich alle Objekte mit wachsender Geschwindigkeit voneinander entfernen. Das Licht der Sterne wird durch die Entfernung immer langwelliger bis wir es nicht mehr messen können, sie werden, lange bevor sie erloschen sind, unsichtbar. 
Für das Leben auf der Erde beginnt der Existenzkampf schon bedeutend früher als man bisher angenommen hatte. Bislang erwartete man, dass in circa 5 Milliarden Jahren die aufblähende Sonne unsere Erde gewaltig erhitzt und jedes Leben für immer vernichtet. Doch für den Menschen auf unseren Planeten wird schon in 500 Millionen Jahre die Luft so dünn werden, dass er daran ersticken wird. Auf diese überraschende Feststellung stieß der Physiker Siegfried Frank und sein Team vom Potsdam-Institut für Klimaforschung. Computersimulationen zeigten, dass schon vor der Aufblähungsphase der Sonne ihre Leuchtkraft immer stärker wird (alle 100 Millionen Jahre um ein Prozent)

Auf der Erde kommt es dadurch zu höheren Verdunstungen und damit zu mehr Niederschlag. Das Kohlendioxid wir auf dieser Weise aus der Atmosphäre herausgewaschen und lagert sich als Kalkstein am Meeresrund ab. Ohne eine Mindestkonzentration an Kohlendioxid in der Biosphäre können aber keine Pflanzen gedeihen. Erst verkümmern alle Bäume, Sträucher und Gräser, dann geht den Menschen und den Tieren die Luft aus. Vielleicht finden bis dahin die Menschen in unserer Galaxie ein weitaus gemütlicheres Plätzchen wo es sich bedeutend angenehmer leben lässt.
Doch wie lange wird es überhaupt Sterne in unserer Milchstraße geben und wann werden die letzten von ihnen erloschen sein?
Nach neusten Berechnungen werden erst in rund 100.000 Milliarden Jahren die letzten Sonnen in unserem Universum verglühen. Das Weltall wird dann aber auch nicht vollkommen leer und dunkel sein. Die meisten Sonnen enden als sogenannte "Weiße Zwerge". (Weiße Zwerge sind verglühende Sterne der mittleren Größe, die nach dem sie ihrer Gashülle abstoßen in sich zusammenschrumpfen). Allein in der Milchstraße wird es schließlich fast eine Billionen davon geben. Sie haben eine fast unendliche Lebensdauer, es gelingt ihnen sogar die fast unerschöpfliche dunkle Materie einzufangen um sie in ihrem Inneren zu verbrennen. Auch die Erde wird es in dieser weitentfernten Zukunft wahrscheinlich noch geben, wenn sie nicht durch einen Crash zerstört wurde, treibt sie als einsamer tiefgefrorener Planet durch düstere interstellare Welten. Sämtliche Planeten der Galaxie werden als Einsiedler enden und heimatlos durch den lichtlosen Raum irren. Jedoch erst in einigen Quintillionen Jahren gehen im Weltall entgültig die Lichter aus.Dann kommt es zum totalen zerfall: Die Materie löst sich auf, das heißt, nicht nur alle Weißen Zwerge, Planeten ihre Monde, alle Asteroiden, Kometen und Staubwolken zerfallen, auch die Bausteine der Atomkerne wie  Protonen und Neutronen habe nur eine begrenzte Lebensdauer. Sie zerfallen nach und nach, dabei verwandelt sich Materie in Strahlungsenergie. Selbst danach wird das Weltall nicht völlig leer sein. Die Gravitations-Monster  aus dem die "Schwarzen Löcher" bestehen bilden dunkele Insel aus der universellen Düsternis. In der nähe ihrer Oberfläche bleibt in den gewaltigen Schwerfeld die Zeit fast stehen; in ihrem Inneren leben die Atome länger. Doch irgendwann verlassen selbst diese Darsteller die Himmelbühne. in einem Zeitraum, der die menschliche Vorstellungskraft vollends sprengt (10 Milliarden Billiarden Billiarden Billiarden Billiarden Billiarden Billiarden Jahre) so spekulieren die Wissenschaftler, platzen die Schwerkraftblasen und ergießen ihre Energie ins allumfassende Nichts. Nach dem explosiven Ende der Schwarzen Löcher folgt der letzte Zyklus des sterbenden Universums. Auch ohne der materiellen Struktur der Atome dehnt sich der leere Raum, getrieben von der im innewohnenden dunkeln Energie, immer weiter aus. In diesem sich  grenzenlos ausdehnenden Kosmos befinden sich alle paar Billionen Lichtjahre einige Lichtteilchen die in Millisekunden vorbeihuschen. Es ist eine depressive Unendlichkeit die das sterbende Universum hinter sich lässt.
War es  das wirklich? Eine Hoffnungsspur ist der Mikrokosmos. Nach der Quantentheorie ist selbst so etwas wie das Vakuum nicht wirklich leer. Aus dem Nichts entstehen geisterhafte Teilchen die sofort nach ihrem erscheinen wieder vergehen. Hierbei ist es aber möglich, dass durch den winzigen Energiesprung aus dem Nichts sich eine Ereigniswelle auftürmt  die das Vakuum selbst ohne erkennbare Ursache in einen höheren Energiezustand bringt. Teilchenforscher nennen diesen Energiegeladenen Zustand "falsches Vakuum". Diese Vakuum-Energie führt zu einer Kraft, die den Raum blitzartig auseinander drückt: Der Mikrokosmos wächst sprunghaft zum Makrokosmos. Eine Vakuum-Eruption entspricht der Expansionsphase nach dem Urknall vor circa 15 Milliarden Jahren. Viele Physiker sind der Meinung, dass man nur lange genug warten muss, bis es wieder zu so einem Schöpfungsakt kommt. "Der Urknall war kein Einzelfall". Die Geburt eines neuen Universums, würde damit beginnen, dass irgendwo im grenzenlosen, leeren Raum erneut eine mikroskopisch kleine Blase falschen Vakuums entsteht und sich mit extrem hoher Geschwindigkeit ausdehnt. In weniger als eine Sekunde würde sich die Vakuumblase als Tochteruniversum vom umliegenden Weltraum abschnüren, sich als eigenständiges Universum abnabeln und eine neue Geschichte über die Evolution der Materie einleiten. Da eine Quantenfluktuation im Vakuum immer wieder auftreten kann, gibt es wahrscheinlich unendlich viele Universums die getrennt voneinander existieren und doch aus einem Mutteruniversum sich entwickelten.
So zeigt die Geschichte über die Materie, dass es in der Unendlichkeit von Raum und Zeit  keinen Anfang und kein Ende gibt. Der grenzenlose Prozess der Energieumwandlung kann sich nicht selbst vernichten sondern nur verändern.

zurück zum Anfang

 Copyright © 
Alle Rechte vorbehalten

Wilfried Louis
1999 - 2003

Ihre Meinung ist mir wichtig!